20.10.2026

Mehr als eine Ausbildung

Im Gespräch mit Sozialpädagogin Sanjica Pintaric über ihre Arbeit bei ALMA (Ausbildungslebensmittelmarkt).

Für einige Jugendliche ist der Weg zu einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss steiniger als für andere. Viele Jugendliche bringen Erfahrungen und Herausforderungen mit, die im Ausbildungsalltag eine zusätzliche Hürde darstellen können: Schulische Schwierigkeiten, psychische Belastungen, fehlende Unterstützung im Elternhaus oder finanzielle Belastung können den Einstieg ins Berufsleben erschweren.

Genau hier setzt der ETC München mit seinem Projekt BaE integrativ (Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung) im eigenen Lebensmittelausbildungsmarkt ALMA an. Hier werden junge Menschen nicht nur fachlich zum/ zur Verkäufer*in sowie zur/zum Fachlagerist*in ausgebildet, sondern während dieser Zeit auch sozialpädagogisch begleitet. Wir haben mit Sozialpädagogin Sanjica Pintaric über ihre Arbeit, die Herausforderungen der Jugendlichen und die Bedeutung eines erfolgreichen Ausbildungsabschlusses gesprochen.

Wer bist du und was machst du bei ALMA?

Mein Name ist Sanjica Pintaric und ich arbeite als Sozialpädagogin im Projekt ALMA. Ich begleite Jugendliche während ihrer Ausbildung und unterstütze sie bei allen Themen, die neben dem fachlichen Lernen eine Rolle spielen. Dazu gehören persönliche Herausforderungen, Motivation, Konflikte oder auch Fragen rund um den Ausbildungsalltag.

Was macht das ALMA besonders?

Das Besondere an ALMA ist die enge sozialpädagogische Begleitung. Uns ist ein wertschätzendes und wohlwollendes Miteinander sehr wichtig. Gleichzeitig wissen wir, dass eine gelingende Ausbildung nur im Zusammenspiel vieler Beteiligter möglich ist. Deshalb arbeiten bei ALMA Ausbilderinnen, geschulte Marktmitarbeiterinnen, Dozentinnen und Sozialpädagoginnen eng zusammen, um die Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen. Wir möchten die jungen Menschen in ihren Kompetenzen stärken und sie dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden.

Neben der Ausbildung schaffen wir Raum für persönliche Entwicklung. Unser Ziel ist, dass die jungen Menschen nicht nur einen Abschluss erreichen, sondern gestärkt und mit mehr Selbstvertrauen in ihre Zukunft starten.

Mit welchen Herausforderungen kommen die Jugendlichen häufig zu euch?

Die Ausgangssituationen sind sehr unterschiedlich. Viele Jugendliche bringen schulische Schwierigkeiten mit oder haben starke Lernschwierigkeiten. Hinzu kommen häufig psychische Belastungen, familiäre Probleme oder finanzielle Sorgen.

Auch Themen wie Pünktlichkeit, Tagesstruktur oder soziale Kompetenzen spielen oft eine Rolle. Manche Jugendliche haben in ihrer Schulzeit schlechte Erfahrungen gemacht oder lange Phasen der Schulverweigerung erlebt. Andere fühlen sich von den Anforderungen einer Ausbildung zunächst überfordert. Wir müssen häufig Dinge begleiten, die in Schule oder Elternhaus nicht ausreichend vermittelt werden konnten. 

Wobei unterstützt ihr die Jugendlichen konkret?

Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht darin, gemeinsam realistische Ziele zu setzen und Erfolge sichtbar zu machen. Viele Jugendliche erleben zum ersten Mal, dass sie Herausforderungen bewältigen und auf ihre Leistungen stolz sein können. Darüber hinaus geht es um Themen wie Selbstreflexion, Konfliktlösung, Kommunikation und Eigenverantwortung. Die Jugendlichen lernen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, für sich einzustehen und ihren Standpunkt zu vertreten. Auch Teamfähigkeit und gegenseitige Unterstützung spielen eine wichtige Rolle. Wir möchten, dass die Jugendlichen lernen, für sich selbst zu sprechen, aber auch Verantwortung innerhalb einer Gemeinschaft zu übernehmen.

Was ist besonders herausfordernd an deiner Arbeit?

Jeder junge Mensch bringt andere Voraussetzungen mit. Deshalb gibt es keine Lösung, die für alle funktioniert. Man muss immer wieder neu überlegen, was die einzelne Person gerade braucht. Gleichzeitig muss man, die Balance zwischen Unterstützung und klaren Regeln finden. Wann braucht jemand mehr Verständnis? Wann sind Konsequenzen wichtig? Dieser Spagat gehöre zum Alltag der sozialpädagogischen Arbeit. Damit die Begleitung gelingt, braucht es außerdem eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren, den Jugendlichen, den Ausbilder*innen, den Dozent*innen, den Marktmitarbeiter*innen und dem sozialpädagogischen Team.

Woran merkst du, dass deine Arbeit etwas bewirkt?

Es sind oft die kleinen Momente, die zeigen, dass sich etwas verändert. Wenn Jugendliche plötzlich Zusammenhänge verstehen, mehr Verantwortung übernehmen oder mit mehr Sicherheit durch ihren Arbeitsalltag gehen. Auch die anfängliche Überforderung lasse häufig nach. Vieles ist zu Beginn neu und ungewohnt. Mit der Zeit wachsen die Jugendlichen jedoch in ihre Rolle hinein und gewinnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Der größte Erfolg ist jedoch der Moment, wenn die Jugendlichen ihre Abschlussprüfung bestehen. Denn die jungen Menschen beim ALMA legen keine vereinfachten Prüfungen ab. Obwohl sie eine integrative Ausbildung absolvieren und oft mit zusätzlichen Herausforderungen in die Ausbildung starten, schreiben sie dieselben IHK-Prüfungen wie alle anderen Auszubildenden.

Viele von ihnen bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit: schulische Schwierigkeiten, psychische Belastungen oder fehlende Unterstützung im Alltag. Umso bedeutender ist es, wenn sie am Ende ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Das zeigt, dass die Jugendlichen ihren Platz in der Arbeitswelt finden können und dieselben beruflichen Standards erfüllen wie andere Auszubildende. Wenn sie ihre Prüfung bestehen, zeigt das nicht nur fachliches Wissen. Es zeigt, wie viel sie in diesen Jahren über sich selbst gelernt und wie viele Herausforderungen sie gemeistert haben.

Was bedeutet ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss für die Jugendlichen?

Für viele ist er weit mehr als ein beruflicher Meilenstein. Er stärkt das Selbstwertgefühl, eröffnet neue Perspektiven und ist oft ein wichtiger Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Ein Ausbildungsabschluss bedeutet, eigene Ziele erreicht zu haben und zu erleben: Ich kann etwas schaffen.

Was wünschst du dir für die Jugendlichen, die ALMA verlassen?

Ich wünsche mir, dass sie sich weiterentwickeln, ihren Weg gehen und mit einem Lächeln auf ihre Zeit bei uns zurückblicken können. Die Ausbildung war oft herausfordernd, aber sie haben viel geschafft. Darauf können sie stolz sein.

Mit Projekten wie ALMA unterstützt das ETC München junge Menschen dabei, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen und eine Perspektive für ihre Zukunft zu entwickeln. Mehr Informationen über das Projekt finden Sie hier.